Bürgerverein Altenburg-Altstadt e.V.
 

Leitsätze des Bürgervereins Altenburg-Altstadt für ein Leitbild
der Stadt Altenburg

Die ehemalige Residenzstadt Altenburg unterscheidet sich von anderen Städten vergleichbarer Größe in den neuen Bundesländern durch ihr reichhaltiges historisches, kulturelles und städtebauliches Erbe. Mit dem Lindenau-Museum, dem Residenzschloss und dem ehemaligen herzoglichen Landestheater besitzt sie eine für Städte dieser Größenordnung in Mitteldeutschland beinahe einzigartige kulturelle Leuchtturmfunktion.

Dieses wunderbare Erbe verfiel durch die Misswirtschaft und Missachtung der kommunistischen Machthaber in der DDR immer mehr. 1989 war von der einstigen Pracht nicht viel mehr übrig als eine langsam vor sich hin verrottende Altbausubstanz.

Nach der Wende wurde unter massivem Einsatz von Fördergeldern, gepaart mit privatem Engagement, ein großer Teil der Altstadt saniert, wobei die offensichtlichen Erfolge von einer gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung konterkariert werden, die, wenn sie nicht gestoppt werden kann, über kurz oder lang zur weitgehenden Auflösung städtischer Strukturen in der Altenburger Altstadt führen muss. So schneidet der Landkreis Altenburger Land in der Studie des Berlin-Instituts in den entscheidenden Punkten Demographie und Wirtschaft am schlechtesten in Thüringen ab und gehört zu den Schlusslichtern Deutschlands (Deutschland 2020, Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung 2005).

Der Bürgerverein Altenburg-Altstadt formuliert unter Berücksichtigung der reichen kulturhistorischen und baugeschichtlichen Tradition dieser Stadt, der gegenwärtigen Situation und der absehbaren demographischen und wirtschaftlichen Entwicklung folgende Leitsätze, die die Diskussion der Bürger um das Leitbild „Altenburg 2020“ anregen sollen.

Stärken ausbauen - Altenburg ist anders!

  • Im Herzen Mitteldeutschlands
    Altenburg soll sich nicht nur als Kreisstadt, sondern als Oberzentrum für die angrenzenden Kreise, auch über Landesgrenzen hinweg, profilieren. Die Nähe zu starken Wachstumskernen ist nicht Bedrohung, sondern Chance.

  • Kultur
    Hochwertige kulturelle Einrichtungen sind für die Identität und überregionale Ausstrahlung unserer Stadt unverzichtbar.

  • Skat
    Altenburg wird bundesweit als Skatstadt wahrgenommen und sollte so für Bürger und Besucher erlebbar gemacht werden.

  • Geschichte
    Die historische Bebauung spiegelt über 1000 Jahre deutscher Geschichte wider. Der verantwortungsvolle Umgang mit dieser Substanz ist notwendig für den Erhalt der prägenden Gesichtszüge Altenburgs. Die Sanierung erhaltenswerter Gebäude im Innenstadtbereich sollte Vorrang vor Neubauten erhalten.

Schrumpfung gestalten

  • Lebensqualität
    Die sinkenden Einwohnerzahlen bieten Chancen, das Lebens­umfeld der Einwohner positiv zu entwickeln:
    • Erste „Slow City“ Ostdeutschlands
    • Mut zur Lücke. Eine geschlossene Baustruktur kann in weiten Teilen dieser Stadt nicht erhalten werden. Die entstehenden Lücken müssen aber sinnvoll in die Stadtstruktur integriert und gestaltet werden.

  • Innerstädtisches Verkehrskonzept
    Ein neues Konzept, gemeinsam mit Anwohnern und Händlern erarbeitet, kann neue Lösungen wie die Entschleunigung der Altstadt oder die Wiederbelebung von Parkmöglichkeiten ohne wesentliche behördliche Restriktionen beinhalten.

Abwanderung verhindern / Wettbewerb um Einwohner

  • Einwohner halten und attraktiv für Zuzüge werden:

    • Großräumiges Verkehrskonzept Lebenswichtig für Altenburg ist eine leistungsfähige und schnelle Anbindung an die umliegenden Wachstumszentren Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Gera.

    • flexible Behörden Mit innovativen Konzepten und transparenten Strategien zur Bewältigung der demographischen Entwicklung können wir erreichen, dass der Servicegrad der Altenburger Behörden als positives Alleinstellungsmerkmal wirkt. So könnten Spätöffnungszeiten, Besuchsservice und konsequente Internet-Nutzung Vorbildcharakter für andere Städte haben.

    • Bildungschancen. Stärkung der Bildungsinstitutionen durch stärkere Vernetzung der Schulen mit den lokalen Unternehmen und den Kultureinrichtungen der Stadt (Theater und Lindenau-Museum, Schloß), Förderung von internationalen schulischen Kooperationen und Partnerschaften durch Nutzung der Flugverbindungen von Altenburg-Nobitz. Jede Möglichkeit, einen Hoch- oder Fachschulstandort zu etablieren, ist zu nutzen.

Gemeinsam anpacken!

  • Bürger einbeziehen
    Wir brauchen innovative Formen der Bürgerbeteiligung bei den städtischen Vorhaben

  • Quartieridentität fördern
    Die Zusammenarbeit von Einwohnern und Grundstückseigentümern in „runden Tischen“ für einzelne Stadtteile und Wohnquartiere kann innovative Lösungen für gemeinsame Probleme (z.B. Parkplatzbau) generieren und den Zusammenhalt der Bürger stärken.